Ausstellung „Deutscher Kolonialismus - Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“


Tastplan mit Gebärdenvideo Foto eines Tastplans mit Gebärdenvideo in der Ausstellung


Deutsches Historisches Museum Berlin
Ausstellung „Deutscher Kolonialismus - Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“


14. Oktober 2016 bis 14. Mai 2017
besucht am 10.03.2017

Nach „Alltag Einheit“ und „Angezettelt“ zeigt das Deutsche Historische Museum mit „Deutscher Kolonialismus - Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“ seine dritte inklusive Sonderausstellung in der Ausstellungshalle des chinesisch-amerikanischen Architekten I. M. Pei aus dem Jahr 2003.

Die Ausstellung legt u.a. die damals gängige Ideologie der Europäer offen, die von einem Überlegenheitsdenken geprägt war. Sie beleuchtet die Motive der Missionare, Beamten, Militärs, Siedler oder Kaufleute auf deutscher Seite, wie auch die Interessen der Kolonisierten. Die Ausstellung widmet sich u. a. der Frage, in wieweit die Sichtweisen der Kolonisierten in der historischen Überlieferung berücksichtigt sind. Künstlerische und zivilgesellschaftliche Perspektiven geben Einblicke in die Gegenwart des deutschen Kolonialismus in den betroffenen Ländern und in Deutschland.

Empfang
Der direkte Eingang befindet sich Hinter dem Gießhaus 3. Vom Eingang führt ein taktiles Bodenleitsystem direkt zur Kasse, wo das Eintrittsticket zu lösen ist. Der Besucher wird weiter zu einer Rolltreppe geleitet, die in ein Untergeschoss führt. Dort finden sich weitere Leitlinien zur Garderobe, der (Behinderten)toilette, dem Ausgabetresen für die Audioguides und zum Ausstellungsraum. Diese Leitlinien gab es bei den vorherigen Ausstellungen noch nicht.

Die Nutzung des Audioguides kostet drei Euro, die gewünschte Spur wird vom Personal eingestellt. Dazu erhält der Besucher Hinweise zur Handhabung des Geräts.

Nachdem ich bereits eine geraume Zeit in der Ausstellung verbracht hatte, kam die Dame vom Ausgabetresen auf mich zu und bot an, zusätzlich Töne zum Quittieren der Eingaben einzustellen.

Die Ausstellung
Im Ausstellungsraum wird das taktile Bodenleitsystem fortgeführt. Im Eingangsbereich bietet ein taktiler Grundriss Orientierungshilfe. Im Vergleich zu den vorherigen beiden Ausstellungen ist dieser farblich interessanter gestaltet als seine Vorgänger. Neben schwarzen Umrissen auf weißem Untergrund gibt es hier auch blaue Flächen sowie rote und grüne Markierungen. Links neben dem Übersichtsplan befindet sich der Bildschirm für das einführende Gebärdensprach-Video sowie seitlich ein Fach für Texte in Schriftform. Die Texte an dieser Station sind in deutscher Brailleschrift sowie in deutscher und englischer Schwarzschrift vorhanden. Zudem wird der Grundriss auf dem Audioguide erläutert.

Die Hauptinformationen an den einzelnen Stationen stehen grundsätzlich in Braille, Leichter Sprache und als Gebärdenvideo zur Verfügung. Die Schwarzschrifttexte liegen schwarz auf weiß wie auch invers auf matt laminierten Seiten in größerem Druck vor.

Zu Beginn jedes Themenbereichs gibt es „Inklusive Kommunikationsstationen“ (nachfolgend mit IKS abgekürzt), die zu einem partizipativen Einstieg einladen. Sie bilden das Kernstück des inklusiven Konzepts. Die so genannten IKS bieten dem Besucher auf sechs Seiten eines horizontal liegenden drehbaren Zylinders gleichberechtigt angeordnete Texte in deutscher, englischer, Leichter Sprache und Braille sowie ein Gebärdenvideo. Aufgrund des geringen Raumes auf den einzelnen Seitenflächen kann nur ein sehr kurzer einführender Text gelesen werden. Die Qualität der Brailleschrift ist noch nicht überzeugend.

Die Hörführung mit ausführlichen Beschreibungen bietet allen interessierten Besucherinnen und Besuchern ergänzende Informationen. Alle Inklusiven Kommunikationsstationen sind an das taktile Bodenleitsystem angebunden und verfügen über eine spezielle Halterung für Geh- und Langstöcke.

An insgesamt 16 Stationen wird in dieser Ausstellung ein Objekt bzw. ein Thema auf „vielsinnige Weise“ präsentiert. Dabei lässt sich nicht nur fühlen (Statue), sondern auch hören. Besonders interessant ist eine IKS, die vergrößerte Nachbildungen von Insekten zeigt.

Mein Fazit
Mit dieser Ausstellung wird versucht, eine große Breite an Themen auch für die Besucher mit Seheinschränkungen auf vielfältige Weise erfahrbar zu machen. Die IKS waren mit passenden Objekten und Beispielen ausgestattet, was bei „Angezettelt“ nicht der Fall war. In wieweit das taktile Leitsystem es blinden Menschen ermöglicht, die Ausstellung selbstständig zu erkunden, kann ich nicht beurteilen. Ich habe es nach meinen optischen Eindrücken trotz einer einführenden Erläuterung auf dem Audioguide als etwas verwirrend empfunden. Positiv anzumerken ist, dass auch Sitzgelegenheiten eingebunden sind. Unbedingt hervorzuheben ist die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des Personals vom Empfang bis in die Ausstellung hinein.


Inklusive Kommunikationsstation Foto einer inklusiven Kommunikationsstation in der Ausstellung


Beschreibung als inverser Text Foto einer Beschreibung als inverser Text in der Ausstellung


Stockhalter an Kommunikationsstationen Foto eines Stockhalters an einer Kommunikationsstation in der Ausstellung


Hörstation mit inklusiver Kommunikationsstation Foto einer Hörstation mit inklusiver Kommunikationsstation


Taststation Insekten mit Text Foto einer Taststation Insekten mit Text in der Ausstellung


Insektenmodell mit Braillebeschriftung Foto eines Insektenmodells in der Ausstellung


Tastbares Säulendiagramm an einer inklusiven Kommunikationsstation Foto eines Säulendiagramms an einer inklusiven Kommunikationsstation