Schottische Museen


Kelvingrove Art Gallery and Museum Foto von Kelvingrove Art Gallery and Museum


The McManus Dundee’s Art Gallery & Museum, Dundee
The Scottish National Portrait Gallery, Edinbourgh
Stirling Castle und Smith Art Gallery & Museum
The Kelvingrove Art Gallery and Museum Glasgow



The McManus Dundee’s Art Gallery & Museum, Dundee


Besucht am 19.05.2017

Der Besuch des Stadtmuseums von Dundee hat sich durch einen Hinweis der Tourist-Information ergeben. Es war das erste Mal, dass wir in ein Museum gegangen sind, für das kein Eintritt zu zahlen ist. Man spaziert hinein wie in ein Café oder einen Laden, ganz selbstverständlich. Im einfach eingerichteten und in den Farben orange und hellgrün gestalteten Museums-Café war der Cappuccino groß, aber nur mittelmäßig. Auf der Karte waren viele gewöhnliche Gerichte zu bezahlbaren Preisen aufgeführt. Wir sind beim Cappuccino geblieben.

Das Museum ist das größte Bauwerk außerhalb Londons, das Prinz Albert gewidmet ist. Es ist nahezu 150 Jahre alt. Das Museum ist kürzlich überarbeitet worden. Es stellt 400 Millionen Jahre Geschichte dar. Man sieht naturkundliche Objekte und kann nachvollziehen, wie Dundee von einer Siedlung zu einer bedeutenden Stadt aufgestiegen ist. Ein Highlight ist ein altes Stadtmodell. Weiterhin wird der Erfolg Dundees und seiner Bewohner bis in die Gegenwart sichtbar gemacht. Eine andere Abteilung zeigt in der Viktoriagalerie eine national bedeutende Sammlung historischer Ölgemälde. Eine weitere Abteilung beschäftigt sich mit den Verbindungen der Stadt in die Welt, die sich durch Überseehandel ergeben hatten. Zu sehen sind hier u. a. Masken und buddhistischen Gegenstände.

Im Ausstellungsraum im Erdgeschoss ist mir aufgefallen, dass ganz alltägliche Themen präsentiert wurden: Shopping im Wandel der Zeiten, Dundee während des zweiten Weltkrieges, Dundee als Industriestadt, und Fußball – in Dundee unerlässlich. Daneben wurden Kunstwerke ausgestellt. Im Ausstellungsraum war ständiges Kommen und Gehen, in deutschen Museen an einem Freitagnachmittag wahrscheinlich unvorstellbar. Ich hatte den Eindruck, die Menschen nutzen das Museum wie eine Flaniermeile, vertiefen sich an dieser oder jener Vitrine, ohne zwingend alles sehen zu müssen. Eine solche Atmosphäre macht Lust auf Museum.

The Scottish National Portrait Gallery, Edinbourgh


Besucht am 20.05.2017

The Scottish National Portrait Gallery wurde 1889 eröffnet und war die erste Sammlung von Portraits der Welt. Gleichzeitig ist die Galerie die Heimat der nationalen Fotografiesammlung. Sie besteht aus 6.000 Fotografien und ist eine der größten und bedeutendsten Sammlungen der frühen Zeit der Fotografie. Das Gebäude ist im neugotischen Stil aus rotem Sandstein errichtet. Es wurde zwischen 2009 und 2011 rekonstruiert und eröffnete neu im Dezember 2011. Skulpturen großer Schotten wie Robert Burns, James Watt, Adam Smith und David Livingstone sowie der Stewards befinden sich in der großen Halle.

Der Besuch der Scottish National Portrait Gallery war dem heftigen Regen geschuldet und daher eher zufällig. Am Beginn des Rundgangs standen die Portraits von Schotten und Schottinnen der Moderne, FilmdarstellerInnen, MusikerInnen (Annie Lennox) und Erfinder. Es fanden sich immer wieder Persönlichkeiten, von denen ich nicht wusste, dass sie Schotten waren bzw. sind. Unter „Portrait“ wird in dem roten Backsteingebäude alles gezeigt, angefangen von Fotografien über Malerei und Plastik. Die Ausstellungstexte standen Besuchern mit einer Sehbehinderung, in Maxidruck, zusammengeheftet in einem Booklet zur Verfügung. Kleines Manko: Der Druck war in hellgrau auf weißem Hintergrund erfolgt und unter den gegebenen Beleuchtungsbedingungen nicht lesbar.

Ein Sonderausstellungsbereich zeigte die Arbeiten eines Künstlers während seiner Drogenabhängigkeit und danach.

Das Museum verfügt über eine Bibliothek, die über 20.000 Drucke und 1.500 Zeichnungen umfasst, hinzu kommen 50.000 Bücher. Sie kann besichtigt und genutzt werden. Im Fokus der Sammlung steht die Geschichte und Entwicklung Schottlands.

Besonders beeindruckend war die umlaufende Galerie im zweiten Obergeschoss, auch hier fanden sich Portraits. Sitzgelegenheiten boten die Möglichkeit, die Atmosphäre des Hauses an einem sehr grauen Tag mit starkem Regen auf sich wirken zu lassen. Auf einer breiteren Fläche waren Kinder eingeladen, ihre eigenen Portraits zu zeichnen. Dazu stand ihnen ein Spiegel und entsprechendes Zeichenmaterial zur Verfügung.

Beeindruckend war auch die Größe des Museums-Cafés. Es war schwierig, einen Platz zu finden. In einem kleineren Nebenraum gab es noch einen Tisch. Auch in diesem Raum saß man quasi in der Ausstellung, denn auch hier hingen Portraitdarstellungen an den Wänden, die ebenso direkt in der Ausstellung hätten hängen können.

Interessant: Bei freiem Eintritt war die Nutzung von Schließfächern kostenpflichtig. Die eingeworfenen Pfundstücke verblieben im Schließfach. Inzwischen war es draußen wenigstens für einige Minuten etwas trockener.

Stirling Castle und Smith Art Gallery & Museum


Besucht am 21.05.2017

Aus der Höhe von Stirling Castle bietet sich ein imposanter Ausblick in die schottische, hier bereits recht hügelige Landschaft, an diesem Tag einschließlich dicker grauer Regenwolken. Die Burg selbst haben wir nicht besichtigt, da Eintritte in Schlösser und Burgen im Allgemeinen mit 12 bis 15 Pfund eher teuer sind. Die Smith Art Gallery & Museum wurden dem Touristen ebenfalls als Sehenswürdigkeit empfohlen. Das Museum befindet sich in einem Gebäude mit kleinem Säulenvorbau. Es wird auf kleiner Fläche so ziemlich alles präsentiert, was mit der Geschichte Stirlings zu tun hat. Die Räume wirkten mitunter recht vollgestellt. Trotz Stirling-Marathon an diesem Sonntagnachmittag waren wir nicht die einzigen Besucher. Die beiden Personen, die das Aufsichtspersonal stellten, waren sehr freundlich und aufgeschlossen. Was mir zuvor noch in keinem Museum begegnet ist: Ein Museumskatze.

The Kelvingrove Art Gallery and Museum Glasgow


Besucht am 22. Mai 2017

The Kelvingrove Art Gallery and Museum befindet sich außerhalb der touristischen Attraktionen des Stadtzentrums. Es ist ein sehr großes Museum, das sehr unterschiedliche Sammlungen beherbergt. Sie reichen von niederländischer Malerei über die Anfänge der Schotten bis zu einer ägyptischen Sammlung. Was ich sehen wollte war das „nicht alles für alle, aber für jeden etwas“. Über die Umorganisation des Hauses unter diesem Aspekt hatte ich einen Aufsatz von John-Paul Sumner im Sammelband von Susan Kamel und Christine Gerbich „Experimentierfeld Museum“ aus dem Jahr 2014 gelesen.

Die Empfangshalle hörte sich an wie eine Shoppingmall oder ein Bahnhof: Viele Menschen redeten und gingen umher. Es war keineswegs leise. Kelvingrove ist das meist besuchte Museum außerhalb Londons. Seitlich in der Eingangshalle befindet sich das Museums-Café.

Die Informationstheke war in unmittelbarer Nähe, eher im hinteren Teil der Halle, aber dennoch sehr zentral platziert. Gefragt nach Angeboten für blinde Menschen konnte mir der Herr hinter dem Tresen keine Auskunft geben, aber er telefonierte, um das herauszufinden. Er bekam die Auskunft, dass auch die Person am anderen Ende das nicht wüsste, aber er könne mir Handschuhe geben, womit ich alle Plastiken berühren dürfte. Die Handschuhe fand er nicht und entließ mich mit der Aussage, ich könne trotzdem alles berühren, ausnahmsweise ohne Handschuhe. Objekte mit dem Hinweis „Don’t Touch“ habe ich trotzdem nicht berührt, es gab so viel anderes zu entdecken.

Begonnen habe ich mit der Abteilung „Niederländische Malerei“ und geendet mit der „Naturgeschichte Schottlands“.

In der Abteilung der Niederländischen Malerei waren die Gemälde zum Teil nicht so hoch gehängt, wie der Besucher das gewohnt ist. Diese Maßnahme soll auch Kindern die Möglichkeit geben, ein Bild in angenehmem Stand zu betrachten. Natürlich profitieren auch Rollstuhlnutzer. Unter den Plastiken auf der umlaufenden Galerie befand sich eine eines blinden Lesers. Der sitzt im Schneidersitz, ein Buch im Schoß. Mit den Fingerspitzen der rechten Hand fährt er über die aufgeschlagene Seite, die linke ist unter das Buch geschoben. Der Oberkörper ist unbekleidet, ein Tuch bedeckt die Scham des Knaben. Es liegt ebenfalls in der Beuge des rechten Armes. Der Kopf ist leicht nach rechts geneigt. Das kurze Haar ist gewellt.

Etwas Tastbares fand sich in der naturgeschichtlichen Abteilung. Es gab unterschiedliche Felle, Gesteine und andere gekennzeichnete Tastobjekte. Ein Booklet in Großdruck bot Texte für Menschen mit Sehbehinderung, gedruckt schwarz auf gelb. Die Folien, in welche die Texte eingelegt waren, reflektierten recht stark. In dieser Abteilung gab es eine Soundcollage, die den Raum erfüllte.

Fazit
Drei Stunden waren nicht genug Zeit, um mehr zu sehen. Das „Nicht alles für alle, aber für jeden etwas“ hat sich mir hier erschlossen, dies war schließlich der Zweck des Besuchs.


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