Archäologischer Park und Römermuseum Xanten


Tastplan im Archäologischen Park Foto vom Tastplan im archäologischen Park


Archäologischer Park und Römermuseum Xanten


Besucht am 24.08.2017

Die einstige Colonia Ulpia Traiana war eine der bedeutendsten Städte in den germanischen Provinzen Roms. Ihre einzigartigen erhaltenen Überreste liegen nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche des Archäologischen Parks (APX). Sie machen die beschauliche Stadt Xanten zu einem archäologischen Forschungsstandort von internationalem Rang. Immer neue Funde bereichern das Bild der ehemaligen römischen Metropole am Niederrhein. Zur Blütezeit wohnten mehr als 10.000 Frauen, Männer und Kinder in der Colonia.

Das Römermuseum Das Römermuseum Xanten befindet sich im Archäologischen Park. An der Museumskasse bekommt der Besucher auf Wunsch einen Multimediaguide ausgehändigt. Bei Eingabe einer Ziffer (wie beim Audioguide) startet gleichzeitig mit der Tonspur ein Video. Da der Ausschnitt relativ klein ist, sind die Darstellungen für Menschen mit Sehbehinderung möglicherweise nicht ohne Weiteres zu erkennen. Nahe dem Eingangsbereich triff der Besucher auf eine Reihe hinterleuchteter Tafeln und beleuchteter Vitrinen, die in die Zeit der römischen Herrschaft einführen. Ich würde die Situation als sehr unübersichtlich beschreiben. Im weiteren Verlauf des Rundgangs ist die Orientierung leichter möglich, obwohl eine gewisse Unübersichtlichkeit bleibt.

Im Museum wird die römische Vergangenheit des heutigen Xanten dargestellt. Der Besucher erlebt den Einmarsch der Legionen, den Aufbau der Colonia und den Alltag zur Blütezeit der zivilen Großstadt. Präsentiert werden zahlreiche Originalfunde aus der römischen Stadt und den Legionslagern. Es zeigt einen großen Bestand an Waffen und Ausrüstung der römischen Armee, das besterhaltene Geschütz der Antike und einen römischen Lastkahn aus Holz, der frei im Gebäude schwebt. Das Gebäude selbst liegt auf den originalen Grundmauern der Eingangshalle zu den Großen Thermen. Der Flyer wirbt mit Mitmachstationen, die sich an verschiedenen Stellen der Ausstellung befinden, zum Schnuppern, Fühlen und Ausprobieren. Für Kinder ist vieles auf Augenhöhe angebracht. Sie können unter anderem eine Legionärsausrüstung anlegen. Erwachsene werden nicht explizit zum Mitmachen eingeladen. Wir haben die Kinderangebote, wie das Anlegen eine Legionärsausrüstung ausprobiert, weil gerade kein Kind in der Nähe war. Ansonsten sind uns die Stationen zum Schnuppern und Fühlen nicht aufgefallen. Auf Nachfrage, ob es Angebote für blinde Menschen gäbe, sind mir an der Kasse Baumwollhandschuhe überreicht worden, mit denen einige Exponate, die aber nicht gekennzeichnet waren, angefasst werden konnten. Dabei handelte es sich zum Beispiel um gebrannte Ziegel.

Im Museum lässt sich sicher viel entdecken. Der Einzelbesucher müsste sich dafür gut vorbereiten, einer Gruppe ist unbedingt eine Führung zu empfehlen.

Der Park
Ein großes überdachtes Tastmodell des Parks, beschriftet in Profil- und Brailleschrift, bietet blinden Besuchern die Möglichkeit, sich einen Überblick über das weitläufige Gelände zu verschaffen. Unterschiedlich gefärbte Gebiete zeigen insbesondere Besuchern mit Sehbehinderung, welche Flächen des Parks bereits archäologisch untersucht sind. Nur kleine Flächen der damaligen antiken Stadt sind tatsächlich erforscht. Die Tastgalerie in der römischen Herberge ist uns leider nicht aufgefallen.

Der Park umfasst heute fast das ganze Gelände der ehemaligen Colonia Ulpia Traiana. Die römischen Bauten wie der Hafentempel, das eindrucksvolle Rund des Amphitheaters, Türme und Thermen ähneln ihren antiken Vorbildern bis ins Detail. Sie wurden am ursprünglichen Standort im Maßstab 1:1 mit den gleichen Materialien errichtet und machen so die Wirkung der antiken Originale körperlich erfahrbar. So kann sich der Besucher im Amphitheater umsehen und den Wehrgang der Stadtbefestigung beschreiten. Im Park gibt es Informationen zu verschiedenen Lebensbereichen wie einen Pavillon zu Transport, Wagen und reisen. Vor den Augen der Besucher werden römische Schiffe nachgebaut. Aktuell baut man an der Minerva Tritonia, einem mächtigen Transportschiff der römischen Rheinflotte. Ihr historisches Vorbild aus dem späten dritten Jahrhundert stammt aus Mainz. Mit 18 Metern Länge und fast vier Metern Breite übertrifft sie alle seit 2014 im APX rekonstruierten Schiffe deutlich. Zu besonderen Gelegenheiten werden die Schiffe zu Wasser gelassen. Das inklusive Projekt lässt nicht nur die Flotte des APX weiterwachsen, sondern ebnet auch Jugendlichen mit Förderbedarf den Weg zu einer handwerklichen Ausbildung. Im Café lässt es sich trefflich im römischen Stil genießen. Brot, Eier, Salat, Käse, Wurst und Oliven ergeben eine leckere Mahlzeit. Dazu trank der Römer wohl Gewürzwein, der Geschmack erinnert an Glühwein, nur dass der Gewürzwein ein Kaltgetränk war.

Auch die Stationen im Park lassen sich mit dem Multimediaguide erschließen. Es gibt ihn in vier Sprachen (deutsch, niederländisch, englisch und französisch) sowie in Deutscher Gebärdensprache. Der blinde bzw. sehbehinderte Besucher muss nur die entsprechenden Nummern zur Eingabe finden.

Fazit
Der Archäologische Park Xanten mit seinen Angeboten war mir seit langem aus der Literatur bekannt. Vermutlich hatte ich dort deshalb etwas mehr erwartet, was die Berücksichtigung der Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Besucher betrifft. Informationen sollten beim Kassenpersonal zu erfragen sein bzw. wie im Fall der Tastgalerie so kommuniziert werden, dass sie auch vom Spontanbesucher gefunden und genutzt werden können.


Das Römermuseum im Archäologischen Park Foto vom Römermuseum